Crufts 2004
Reif für die Insel?
Michelangelos Reisebericht zur Crufts Dog Show 04 - Birmingham, England
Leute,
Leute – das war ein Erlebnis, da muss ich doch mal unbedingt
berichten. Wer hier schreibt, na, ich die blaue Deutsche Dogge
Michelangelo.
Schon mal was von der riesigen Hundeausstellung in England gehört,
der Crufts Dog Show? Dort werden nur die schönsten, die
allerschönsten Hunde ausgestellt und die Meldezahl pendelt
seit Jahren immer um die 20.000! Gerichtet wird diese Menge an
4 Tagen. Für viele bleibt es nur ein „Wunsch“ oder Traum
daran teilzunehmen, aber für uns wurde es Wirklichkeit.
Deshalb berichte ich mal wie es dazu kam und was ich alles
erlebt habe.
Erika (das ist mein Frauchen) meinte zum Abschluss meiner
Ausstellungskarriere müsste ich unbedingt den Engländern mal
zeigen, wie die Doggen hier auf dem Festland aussehen. Nun
kann nicht jeder X-beliebige Hund an der Crufts einfach mal so
teilnehmen. Dort sind nur außergewöhnliche schöne
„Exemplare“ erwünscht. Hunde aus dem Ausland können auf
einigen wenigen Internationalen Rassehundeausstellungen eine
Qualifikation zur Teilnahme bekommen. Für die Qualifying
Award Card muss man das CACIB und das BOB erreichen. Eine
solche Berechtigung bekam ich schon in ganz jungen Jahren (ich
war gerade 15 Monate alt) auf der Bundessiegerausstellung 2001
in Dortmund. Damals wurde ich Bundesjugendsieger und „schönste
Dogge des blauen Farbschlages und bekam das BOB!“ Frauchen
meinte damals – verrückt – was sollen wir denn auf der
Crufts? England ist zu weit, alles viel zu umständlich und überhaupt.....
Und der Fall Crufts war für sie erst mal abgehakt.

Aber
das sollte sich dann doch ändern, als ich im letzten Jahr auf
der Intern. Hundeausstellung in Luzern/Schweiz schon wieder
die Qualifikation bekam die Crufts Dog Show 2004 zu besuchen.
Auf dieser Ausstellung erfüllte ich meine letzte Anwartschaft
für den Schweiz. Ch. und erhielt das BOB und wurde schönster
Rüde der Ausstellung. Bei den ganzen Unterlagen war wieder
die „Qualifying Award Card“ zur Crufts. Zuerst war es nur
eine Idee, die dann doch schnell Formen annahm. Für die
Einreise nach Great Briten gibt es für uns Hunde bestimmte
strenge Vorschriften! Das Ganze nennt sich: Pet Travel Scheme
(PETS) – Bestimmungen über das Verbringen von Haustieren
(Hunden und Katzen) nach dem Vereinten Königreich. Diese kann
man auf der Homepage der Britischen Botschaft, Berlin genau
nachlesen. PETS wurde als ein Versuchsprojekt im Februar 2000
eingeführt. Bestimmte Reiserouten müssen eingehalten werden
und nur einige Verkehrsunternehmen haben die Berechtigung die
„Hunde und Katzen“ auf dem See-, Schienen- oder Luftweg zu
transportieren.
Alle Tiere müssen mit Mikrochip versehen und gegen Tollwut
geimpft sein. Die Tollwutimpfung kann erst erfolgen, wenn man
mit einen Mikrochip gekennzeichnet wurde. Ich hatte natürlich
noch keinen Chip! Aber durch diesen Chip bin ich jetzt
unverwechselbar, amtlich registriert und jederzeit
erkenntlich. Die Vorschriften sagen weiter, dass nach ca. 30
Tagen, nach erfolgter Impfung, der Tierarzt eine Blutprobe zu
entnehmen hat, um sicherzugehen, dass das Tier auf die Impfung
angesprochen hat. Das Blut muss in einem vom britischen
Landwirtschaftsministerium zugelassenen Labor getestet werden.
Hört sich ganz schön kompliziert an- oder? Wir hatten Glück,
ein zugelassenes Labor befindet sich direkt in unserer Nähe
in Gießen – das Institut für Virologie der Justus Liebig
Universität. Durch meinen Haustierarzt bekam ich im Blut
abgenommen und Erika brachte die kostbare Flüssigkeit eigenhändig
ins Labor nach Gießen.
Nach ein paar Tagen stand das Ergebnis fest: meine „Titer“ waren so hoch, dass es für zweimal gereicht hätte, sagte Erika. Somit war die erste wichtige Hürde für unser Projekt „Reif für die Insel“ genommen. Nach der Blutentnahme beginnt eine Wartezeit von 6 Monaten, ehe das Tier (in dem Fall bin ich das „Tier“) nach dem Vereinten Königreich verbracht werden darf.
Irgendwann im Dezember bekam ich so ganz nebenbei mit, dass man sich mal wieder über die „Crufts“ unterhielt. Es war die Sprache von Meldeschein und Unterkunft – Hotel, Ferienhaus und Wohnmobil und dass es jetzt langsam pressiert. Irgendwie bekam ich den Eindruck, dass es jetzt mit dieser außergewöhnlichen Reise ernst wurde und ich stellte mir schon mal vor, dass es im fernen England sicher viele hübsche Doggenladys gab und träumte schon von heißen Liebesspielen........
Das Meldeformular für die Crufts wurde auf der Webseite des Engl. Kennel Clubs (www.crufts.org.uk) gefunden und von Frauchen im Internet ausgefüllt und per Mail abgesandt. Sie sagt eine tolle Sache – auch das bezahlen des Meldegeldes geht alles „online“. Was immer das ist, es scheint „ihr“ Spaß zu machen. Zur Sicherheit hat sie dann alles noch mit der alten „gelben“ Post nach England geschickt.
Inzwischen
hatte Erika erfahren, dass aus irgendwelchen Gründen auf den
Parkplätzen des NEC Ausstellungsgeländes über Nacht keine
Wohnmobile geparkt werden dürfen, deshalb fiel die Fahrt mit
dem ins Auge gefassten Wohnmobile flach. Die Zeit drängte und
Erika begab sich schon wieder im Internet auf die Suche nach
einer Unterkunft. Ein Ferienhaus – in England heißt das
Cottage – sollte gemietet werden, möglichst in der Nähe
von Birmingham. Die Unterkünfte südlich von Birmingham waren
fast alle ausgebucht. Anscheinend wollte Gott und die ganze
Welt zur Crufts! Eine angemessene Unterkunft war nach einigen
Mühen gefunden. „Sie“ buchte – nur wegen mir - ein großes
hübsches Ferienhaus auf dem Lande für das Wochenende zum
Hollidaytarif. Auf der Homepage im Internet sah die "Grove
Cottage" auf Grovefields Farm in Hampton Lucy recht
vielversprechend aus.
Erika stöhnte nur ab und zu „English“ müsste man perfekt
können und verdrehte die Augen, wie in den Momenten, wo ich
mich nicht benehme und sie ein Stoßgebet gen Himmel schickt!
Mir schien, dass sie da ein ernstes Problem hatte...tzzzzz.
Nun dieses English scheint die Sprache zu sein, womit sich die
Leute auf der „Insel“ verständigen. Besorgt überlegte
ich, dass es ja vielleicht sein könnte, dass dort die
„blauen“ Ladys auch eine andere Hundesprache bellen! Na
mal sehen, die Sprache der Liebe werden die dort schon
verstehen!
Inzwischen
war es schon Ende Februar als ich mit sämtlichen amtlichen
Formularen und Dokumenten dem Amtstierarzt in Gießen
vorgestellt wurde. Wir bekamen die
„Tiergesundheitsbescheinigung für das Verbringen von Hunden
und Katzen von Deutschland nach dem Vereinten Königreich im
Rahmen der Haustier-Reiseverkehrsregelungen“! - die meine
Einreise nach England erlaubte! Diese hat nun bis zum 07.08.04
Gültigkeit. Sollte ich nochmal nach England einreisen, dann
muss ich immer termingerecht meine Impfung gegen die Tollwut
erhalten, dann entfällt der Bluttest mit der Titerbestimmung.
In dieser Zeit kam Post aus England und darin war die
Anmeldebestätigung zur Crufts – die wollten mich tatsächlich
sehen...... Irgendwie schien es jetzt bald los zu gehen, denn
ich hatte mitgehört, dass die Doggen, pardon wir heißen in
England Great Dane, am 06. März gerichtet werden.
An einem Wochentag – ich dachte schon die große Fahrt
beginnt, fahren wir doch schon wieder zu meinem
Lieblingstierarzt und das, obwohl ich doch gar nicht krank
bin! Ich grüble, und begucke mich ganz genau, an mir ist doch
alles ok? Was hecken die denn jetzt schon wieder aus? Mutig
gehe ich mit ins Sprechzimmer und warte auf die Dinge, die
unweigerlich kommen werden. Ich soll eklige Tabletten
schlucken und ein fürchterliches Stinkezeug wird in mein Fell
geträufelt. Sie reden was von entwurmen, entflohen, entlausen
und entzecken????.........
Ich kann euch versichern – ich hatte weder einen Wurm, einen
Floh, eine Laus und schon gar keine Zecke! Aber Frauchen
meinte, was sein muss, muss sein, die Engländer wollen das
so. Über diese Maßnahme gab es auch ein amtliches Papier mit
Stempel und Unterschrift, das auch in die „dicke“ Mappe
der Reisepapiere verschwand. Es war die Bescheinigung über
die Behandlung gegen Ekto- und Endoparasiten im Rahmen der
Haustier-Reiseverkehrsreglungen des Vereinten Königreiches.
Auch dies ist eine weitere Bestimmung die sagt, dass man
innerhalb von 24 – 48 Stunden vor der Einreise von einem TA
gegen Bandwürmer und Zecken usw. behandelt werden muss. Noch
sehr wichtig: wenn man am Abfertigungsschalter (PET-Station)
ankommt und seit der Behandlung weniger als 24 Stunden
vergangen sind, muss man warten, bis die vollen 24 Stunden
vergangen sind, bevor man einchecken kann. Liegt bei der
Ankunft am Abfertigungsschalter die Behandlung bereits mehr
als 48 Stunden zurück, muss das Tier erneut behandelt werden
und eine neue amtliche Bescheinigung muss ausgestellt werden,
allerdings heißt es dann wieder 24 Stunden warten....... Ganz
schön kompliziert und umständlich, was? Das verlangt ein präzises
Timing! Hoffentlich bringe ich auf der Rückreise keinen Floh
aus England mit......, meint Erika, nicht auszudenken –
diese Katastrophe!
Bei mir dachte ich so, wenn das so weitergeht – trete ich in den Streik – ich wollte nun endlich fahren und die weite Welt weiter kennen lernen. Ich, als weit gereiste Dogge – kenne mich in vielen Ländern aus – und ich verreise gerne, denn unsere Reisen sind immer abenteuerlich und finden meistens mit Frauchens kleinem Auto statt. Sie sagt: Platz ist in der kleinsten Hütte, damit ist ihr Golf gemeint! Aber keine Angst, den meisten Platz beanspruche ich sowieso - Bei längeren Fahrten, bekommt der Golfi (so nennt sie ihn manchmal) einen aerodynamischen Kasten aufs Dach geschraubt. Wenn das passiert, stöhnt bei uns zu Hause jeder! Anscheinend ist die Anbringung dieses Dingsda nicht so einfach und es gibt immer Diskussionen und alle haben eine Stinklaune. Bei unserer Reise nach England fuhren wir „ohne den Kasten“ – obwohl es anders geplant war. Das hatte zur Folge, dass meine beiden „Damen“ mit wenig Gepäck auskommen mussten!
Dann war der Tag unserer Abreise da, und als „meine“ Patentante Magda kam, wusste ich Bescheid – entweder Damenbesuch oder Reise! Na Euch kann ich es ja sagen, viel netter wäre ein kleines Liebesabenteuer mit einer hübschen Doggendame gewesen......
Unsere Reise begann am Freitag und ging Richtung Nordwesten an Städten vorbei, die ich schon von früheren Reisen kannte, über Belgien, Frankreich bis nach Calais. Irgendwo dort muss auch das Meer sein, das die Insel England vom Festland trennt. Frauchen hatte – schon wieder nur wegen mir – als Reiseweg über (nein, eigentlich unter) das Meer den Eurotunnel gewählt. Sie erklärten mir, dass wir mit dem ganzen Auto in einen Zug verladen werden und dieser Zug dann unter dem Meer durchfährt. Na, wenn das mal gut geht – überlegte ich skeptisch. Schließlich kenne ich das Meer aus meiner Heimat Italien, das kann manchmal ganz schön wild werden. Wird schon alles gut gehen meint Erika, schließlich ist die Königin von England auch schon durch den Tunnel gefahren!
Bevor
wir in den Zug einfahren durften, werde ich in der s. g.
Pet-Station vorgestellt. Dort warten schon einige Spezies von
mir auch auf ihre Abfertigung. Meine Chipnummer wurde mit dem
Lesegerät überprüft und die amtlichen Papiere genau
studiert und kontrolliert. Dann musste noch eine Erklärung
von Erika ausgefüllt werden, darin stand meine Chipnummer, wo
ich herkomme, wo ich in England wohne, mit welchem Kfz ich
fahre, alles höchst amtlich. Es war alles in Ordnung und wir
bekamen einen riesigen Aufkleber den wir ins Auto hängen
sollten. Nun wurde es auch höchste Zeit, dass wir uns samt
Auto am „Bahnhof“ einfinden. Nach einigem Gekurve über
ein riesiges Gelände mit Absperrungen und genau
vorgeschriebenen Wegen, wurden wir in den Autoreisezug
eingewiesen. Es war wirklich angenehm dieses Reisen unterm
Meer und schnell (Frauchen sagt auch teuer!! – musste für
mich extra bezahlen – ) Buchung übers Internet direkt bei
www.eurotunnel.com kostet der Transfer in der Kategorie 3 Day
Week hin und zurück 136,00 € plus Hund (egal wie groß)
45,73 € = 181,73 €.
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Nach ca. 30
Minuten war die Zugfahrt zu Ende und wir durften mit unserem Auto aus dem Zug
herausfahren. Wir verlassen „zügig“ das Terminal und suchen die richtige
Straße. Erika sagte, so nun sind wir in England und jetzt gehen die Uhren 1
Stunde anders und gefahren wird ab sofort „links“. Also, ich habe als
erfahrene „Autodogge“ sofort gemerkt, dass das Linksfahren gar nicht so
schwer ist. Es geht einfach alles nur anders herum. Auch in England gibt es
große Straßen, die man bei uns Autobahnen nennt. Neugierig sah ich, dass man
Richtung London fuhr. Genau in Höhe von der riesigen Stadt London fing es
dann auch an zu regnen und Erika meinte, es stimmt also, dass es hier soviel
regnet. Weiter ging es Richtung Birmingham, denn dort sollte ja die
Ausstellung stattfinden und dort in der Nähe musste „unsere Grove-Cottage“
sein, wo wir uns einquartieren wollten.
In der Nähe von Warwick – übrigens ein hübsches Städtchen mit Schloß,
pardon Castle, verließen wir die Autobahn und machten uns auf die Suche nach
unserer Cottage. Es gab von der Vermittlungsagentur „Country Holidays eine
Wegbeschreibung – allerdings in Englisch. Ich dachte schon, dass meine
beiden Damen das richtige Haus niemals finden! Inzwischen war es schon dunkel
– aber ein heller Vollmond tauchte die ländliche Gegend in ein gespenstiges
Licht. Nach einigen Fehlversuchen – es gab in der Gegend jede Menge von
diesen Cottages, wurde das richtige Ferienhaus doch noch gefunden und
entpuppte sich als wahres Pachtstück. Die Eigentümerin, Mrs. Clark, die
nebenan im Herrschaftshaus auf Grovefields Farm wohnte, hatte bereits die
Heizung angestellt, sogar der Kamin brannte – und welche Freude, es gab ein
Willkommen-Paket, mit Bacon, Eier, Toast, Milch und Saft.
Tzzz..... an mich hatte Mrs. Clark nicht gedacht – war ich etwa
nicht willkommen? Aber Erika hatte Vorräte für mich eingepackt, über die
ich mich am späten Abend nach einem Mondscheinsparziergang noch hermachte.
Geschlafen habe ich später wie ein Murmeltier, während meine beiden Damen
noch versuchten sich für den nächsten Tag (Ausstellung!) herzurichten.....
Ich verrate nur soviel – das Gerät mit dem warmen Wind, womit die Haare
getrocknet werden – ging nicht! Es lag an der anderen Stromspannung oder was
auch immer...... Sie haben komische Sachen an diesem Abend gemacht – Nun,
wer schön sei will muss leiden. Frauchen hatte auf der ganzen Reise einen fürchterlichen
Schnupfen und der war am nächsten Tag durch das nächtliche Treiben auch
nicht besser geworden.
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Schon
ganz früh klingelte der Wecker am nächsten Morgen – endlich war er da, der
Tag an dem die Great Danes auf der Crufts gerichtet werden. Ich war sofort
voller Tatendrang und verlangte nach einem Sparziergang! Es war herrlich draußen,
viel Platz zum Rennen und die Ponys auf der Weide waren auch schon wach.
Zu futtern gab es an diesem Morgen für mich nichts. Na auch gut – da bleibe
ich auch schlank und drahtig! Meine Damen waren ziemlich beschäftigt –
besonders meine Magda hatte sich ganz schön schick herausgeputzt. Diese
Crufts scheint ja wirklich was besonderes zu sein!. Ich bin von Natur aus hübsch
und lege nicht so viel Wert auf Äußerlichkeiten. Wenn die sich so schick
anziehen, nehmen sie mich vielleicht gar nicht mit? Diese Erfahrung habe ich
schon gemacht! Aber als kluge Dogge lege ich mich strategisch geschickt vor
die Ausgangstür, damit die mich ja nicht vergessen und warte ab..... Nachdem
Erika fast zweimal über mich gefallen ist, sagt sie: den „Köter“ (welch
böses Wort!) bring ich jetzt schon mal ins Auto – der liegt nur im Weg rum.
Nun, meine Taktik ist aufgegangen und ich werde schon mal im Auto verstaut und
nach und nach füllt sich dieses mit allerlei Ausstellungsutensilien und
endlich starten wir zur weltberühmten Crufts.
Meine beiden
Damen finden die richtige Straße nach Birmingham. Es gibt in England viele
"Kreisel" und diese wurden öfters zweimal umrundet um den richtigen
Ausgang zu finden. Das Ausstellungsgelände, die NEC, ist riesig mit 19 Hallen
und die Parkplätze auch. Geplant war das Parking auf einem Parkplatz ziemlich
nah an der Halle 5. Hat aber nicht geklappt. Die Parkplatzeinweiser hatten
eine andere Meinung. Einen Parkschein hatten wir schon – vorab per Internet
angefordert und bezahlt.Es gab auch einen Bustransfer vom Parkplatz zum
Ausstellungsgelände. Aber wir gingen zu Fuß, ich sollte noch etwas
Bewegung haben.
Der Weg zur Halle 5 war ziemlich weit (aber nicht für mich, hö, hö!). Eine
Einlasskontrolle wie bei uns üblich, gab es nicht – wir konnten ohne größeren
Stau in die Halle. Hier waren schon einige Hunde, natürlich auch Doggen
versammelt. Und siehe da, sie begrüßten mich in „meiner Sprache“. Ich
versuchte sofort die Bekanntschaft einer hübschen „Blauen“ zu machen. Die
süße englische Maus war genauso hübsch, wie die Mädels bei uns, allerdings
hatte sie einen Maulkorb um, aber sonst sah sie wirklich ganz gut
aus.......und ich versprach ihr im Vorbeigehen, dass ich nochmal vorbeikomme,
wenn die Gelegenheit günstig ist......
In der riesigen Halle 5 gab es 3 Ringe, einige Verkaufstände und natürlich Boxen für uns Hunde. Diese sind in England oben und nach vorne offen und sind erhöht aufgestellt. Magda ging auf die Suche nach einer freien Box. Diese wurde – publikumswirksam – direkt am Eingang des Doggenrings gefunden. Da die Größe der Box nicht meinen Bedürfnissen entsprach, wurde kurzerhand die Zwischenwand entfernt und ich konnte mich in 2 Boxen ausbreiten. Dort lag ich nun- und hielt Hof. Ihr glaubt nicht, wie viele Leute an meiner Residenz vorbeizogen. „Alle“ wollten mich streicheln und fragten meine beiden Damen nach mir aus. Die Besucher waren so entzückt von mir, dass ich doch einen neuen Namen bekam: Loveley Boy!
Zur Überraschung meiner beiden Damen, waren doch einige Bekannte aus der Doggenszene aus Deutschland und anderen Ländern angereist. Eine Dame aus Finnland hat mich sogar erkannt, sie rief ganz freudig: Ach, das ist ja Michelangelo! Toll – ich bin bekannt wie ein Filmstar........
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Es waren sehr
viele Doggen (237) gemeldet, fast alle aus England und es gab ganz viele gelbe
Doggen. Zuerst wurde das junge Gemüse von der englischen Richterin, Mrs.
Steiner, gerichtet. Nach einem Fehlstart – wir dachten unsere Klasse wäre
schon dran, stand endlich das Richten der Open Class bevor. Nun kam die
Prozedur, die ich schon von anderen Ausstellungen kenne. Alle sind etwas
aufgeregt, ich werde noch mal hergerichtet – was bei meiner Naturschönheit
wirklich nicht nötig ist und Erika verschwindet .......Ich denke so bei mir,
ach wie öd - warum spielen wir jetzt wieder verstecken?
In der „Open Class“ (das ist die Klasse wo ich starten musste – obwohl
ich ein anerkannter Champion bin) waren insgesamt 27 Doggenrüden gemeldet. Im
Ring waren dann glaube ich 25. Auch was Neues - in England werden alle Farben
zusammen gerichtet. Die Fellfarbe ist vollkommen egal. Natürlich war der
gelbe Farbschlag in der Überzahl. Es gab 2 Blaue (davon war einer natürlich
ich), ein Gefleckter, zwei Schwarze. Unser Ring war mit grünem
Kunstrasenteppich ausgelegt. Sah ganz nett aus und ist nichts Neues – aber
ich kann mich auch auf anderen Böden bewegen. Nun denn, die Show must go on!
Ich marschiere mit Magda an der Leine strammen Schrittes in den Ring. Am
Ringeingang versuche ich noch kurz mit einem netten gelben Doggenmädel
anzubandeln – nein, sagt Magda, heute gibt’s keinen Sex! Uffa, strenge
Sitten auf der Crufts!
Also reihen wir uns in die Runde der dort bereits in Positur stehenden Doggen
ein. Da merke ich, dass doch einiges auf dieser „Crufts“ anders ist -
keiner wirft irgendwelche Sachen in die Luft, keiner rennt hektisch kreischend
um den Ring, kein Gummitier quitscht, kein lautes Rufen.... Upps.... es ist so
still und Frauchen sehe ich auch nicht und trotzdem versuche ich sie ausfindig
zu machen. Sie muss einfach dort irgendwo sein. Bisher hab ich sie immer
gefunden. Ich strenge mich an und doch, ab und zu meine ich etwas Bekanntes zu
hören......, schließlich hab ich gute Ohren. Ich versuche mich zu benehmen
– denke mir - so dumm rum stehen, wie die anderen kann ich auch – und so
eingebildet vornehm gucken (gucken = hessisch und heißt übersetzt schauen)
schon lange! Es kommt einer nach dem anderen dran und wir stehen und stehen
und ab und zu geht es einen Meter in der Runde vorwärts. Genau vor dem
Richtertisch und der Richterin versucht Magda mich nun in günstige Positur zu
stellen. Ich werde von der Richterin abgetastet, muss mir ins Maul sehen
lassen, sicher wegen der Zähne – dabei mache ich wie immer Sitz, was die
Richterin ganz schön erstaunt. Danach darf ich auch hin und herlaufen. Natürlich
bemühe ich mich ordentlich zu laufen – schade, dass der Ring nicht noch größer
ist – meine Laufwerkzeuge sind in Ordnung, da hätte ich denen mal zeigen können,
dass ich das sehr gut kann. Das war’s erst mal und da kommt auch schon ein
weiterer Kandidat an die Reihe. Da merke ich, dass ich nicht alleine unter
Fremden bin, nach mir werden aus meiner Heimat noch 2 Doggenrüden der
Richterin vorgestellt. Das Richten unserer Klasse geht recht flott voran und
als alle Rüden der Open-Class einzeln gerichtet sind, müssen wir uns noch
einmal schön in Reih und Glied aufstellen und jeder Handler (so nennt man die
Person die am anderen Ende der Leine steht) versucht seine Dogge richtig und
vorteilhaft zu präsentieren. Angeblich üben die Engländer das jeden Tag!
Ich denke bei mir – wie langweilig! Ich mache um des lieben Friedens mit,
werfe mich in Positur, Brust raus, Kopf nach oben und stehe still und warte
auf das (Todes)-Urteil der Richterin.
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Wir kommen tatsächlich in die engere Wahl und unter die letzten 10 Auserwählten. Potzblitz..., damit hatte keiner gerechnet. Anscheinend ist es ein recht großer Erfolg unter die letzten 10 zu kommen. Zum Schluss stehen ganz vorne auf den ersten Plätzen die „Engländer“, alle die mit dem gelben Fell...... Jetzt dürfen die Fotografen ihre Fotos schießen. Das Richten unserer Klasse scheint beendet zu sein und endlich dürfen jetzt alle den Ring verlassen und da ist auch Frauchen wieder und lobt mich ganz kräftig, Ich merke sie ist stolz auf mich und alle freuen sich. Die Leute am Ring tätscheln und streicheln mich schon wieder und wieder höre ich „Loveley Boy“, obwohl ich doch Michelangelo heiße und sonst immer Mike gerufen werde! Na gut, ist ja auch ein schöner Name! Es gibt keinen Richterbericht oder Beurteilung und auch kein Erinnerungsgeschenk, nicht mal eine Urkunde – schade eigentlich!
Inzwischen ist es schon Mittagszeit und es gibt viele, viele Besucher, die auch an meiner „Residenz“ vorbeischauen. So langsam reicht es mir – und Frauchen beschliesst mit mir ins ins Freie zu gehen, damit ich mir mal richtig die Beine vertreten kann und schließlich muss ich auch mal Pieseln. Ich verkneife mir einen dicken Haufen an der Lösestelle (in der Halle, schön mit Sägespänen) abzulegen – wäre sicher nicht fein, auf solch einer Ausstellung. Wir kämpfen uns durch die Menschenmassen - immer Richtung Ausgang. Da haben wir einen Trick – ich an langer Leine und voran geht’s – ich schlängle mich durch sämtliche Leute und Frauchen hinterher – klappt immer – alle machen Platz! Es gibt auf dieser „Crufts“ jede Menge Verkaufsstände und alle kaufen, kaufen, kaufen....... nützliches oder auch unnützes Zeug!
Gegen 15.00
Uhr sind endlich alle Doggen gerichtet und die Sieger aller Klassen stehen
fest. Wir wissen aber nicht mehr, wer die schönste Dogge war – ist ja
auch nicht tragisch.... es war eine gelbe Dogge von der Insel.
Wir haben noch mehr interessante Leute getroffen. Frauchen hat sogar einen
Welpen aus meiner letzten Produktion in Siegen, an eine Dame nach Athen
vermittelt. Aber was mich besonders freut – eine blaue Lady will im Spätsommer
zu mir auf Besuch kommen..... Na, ihr wisst schon was wir dann
machen..........
Später dürfen
wir die Ausstellung verlassen und finden auch unser Auto sofort wieder. An
der Parkplatzausfahrt staut es, aber meine Damen sind schlau und finden
einen anderen Weg....., das alles mit Linksverkehr, da kann ich doch nur
staunen. Nach einer halben Stunde Autofahrt (– nicht auf der Autobahn,
die zwei kennen sich echt gut aus!) sind wir wieder auf unserem
hochherrschaftlichen Besitz angekommen und ich darf endlich mal richtig
rennen und einfach nur Hund sein. Es gibt riesige Koppeln, auf denen
etliche Pferde grasen, dabei auch ein paar Schafe und noch so allerlei
Getier. Magda geht sofort an die Kochpötte und sie zaubert ein
Menschenmenü. Ich bekomme leckeren Pansen mit Flocken und als Krönung Hühnchen
und zum Nachtisch ein Brötchen (mag ich besonders.... mmmmm....). Die
beiden quatschen sich den Mund über die Crufts fusselig, während ich
mich genüsslich vorm Kamin räkele und selig von ganz anderen Sachen träume.
Aus weiter Ferne höre ich wie die beiden beschließen am nächsten Tag,
aber erst Mittags, loszufahren. Beruhigt schlafe ich ein, die werden mich
schon mitnehmen......
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So war es denn auch – Ich durfte natürlich wieder mit nach Deutschland. Eigentlich wäre ich gerne noch etwas länger geblieben – nebenan im Herrschaftshaus gab’s 2 nette Hundedamen, die mich besuchten. Na, ich bin dann doch lieber ins Auto gestiegen, versprach den Hundedamen aber, dass ich ganz bestimmt wiederkomme! Wir sind dann logischerweise wieder Richtung London auf die Autobahn gefahren. Fast hätten wir noch einen Abstecher in die Stadtmitte von London gemacht – sie haben sich verfahren! Helle Aufregung, die Fahrt mit dem Auto in die Innenstadt nach London kostet Gebühr! Deshalb machte man an der nächsten Ausfahrt einen gekonnten flotten Dreher.....Jetzt ging es erst mal wieder zurück Richtung Birmingham! Nach einem längeren Straßenkartenstudium wurde die richtige Straße nach Dover doch noch gefunden. Bei der Ausreise aus dem „Königlichen Land“ gab es auch keine Untersuchung mehr für mich, das ging jetzt ohne großen Aufwand, auch die Rückfahrkarte war schon gelöst. Die Reise unterm Meer im Autoreisezug ging wieder schnell und nach einer halben Stunde Fahrt hatte uns das europäische Festland wieder. Die Uhren mussten jetzt wieder eine Stunde vorgestellt werden..... Die Rückfahrt ging wieder über Frankreich und Belgien. In Belgien hatten wir einen netten Stau – es war Sonntag und viel los auf der Autobahn. Leider hat es auf der Rückfahrt öfters geregnet und es war kalt. Frauchen hatte keine Lust mit mir längere Sparziergänge auf zugigen Rastplätzen zu unternehmen.
Spät in der Nacht waren wir endlich zu Hause und das Projekt „Reif für die Insel“ war für uns beendet. Im April mache ich Urlaub in meinem Geburtsland Italien – da freue ich mich schon drauf! Meine Teilnahme an den hübschen Ausstellungen in San Remo, Monte Carlo und Frejus ist geplant. Letztes Jahr habe ich alle drei Ausstellungen gewonnen und wurde Sieger Mediterrane! Wenn ich Lust habe erzähle ich Euch davon auch mal.
Bis dann
Euer Michelangelo

























